Bei unserer kleinen Niederlande-Reise in den Herbstferien durfte auch ein Besuch im Dierenpark Amersfoort nicht fehlen. Dummerweise wählten wir (wegen des Wetters) den Sonntag am ersten Herbstferienwochenende – da war der Zoo sehr gut besucht, um mal gnadenlos zu untertreiben.

Siamang - ein Affe aus der Familie der Gibbons

Siamang - ein Affe aus der Familie der Gibbons

Insgesamt muss man sagen, dass dieser Tierpark aus zoologischer Sicht nicht unbedingt der Renner ist. Viele Tiere kennt man natürlich aus anderen Zoos, und ihre Unterbringung ist auch nicht immer optimal. So leben z. B. die Kapuzineraffen und die Siamangs in ganz gewöhnlichen Käfigen. Dort, wo die Unterbringung origineller gestaltet ist, hat man den Eindruck, dass es dabei weniger darum geht, den Bewohnern einen besseren Lebensraum zu gestalten, sondern die menschlichen Besucher zu erfreuen, z. B. wenn man über einen Baumstamm ins Innere der Tigeranlage klettern kann oder wenn die japanischen Makaken auf einer hübschen Insel in einem See mit Springbrunnen wohnen. Damit will ich nicht sagen, dass dieser Zoo ein Hort der Tierquälerei ist – bestimmt nicht – aber die artgerechte Haltung und das Tier selbst stehen nicht im Zentrum des Interesses.

Im Nachthaus leben verschiedene Affen, Faultiere und andere Nachtaktive

Im Nachthaus leben verschiedene Affen, Faultiere und andere Nachtaktive

Das einzig wirklich faszinierende ist das Nacht-Haus, das 2003 eröffnet wurde, und in dem viele ungewöhnliche Tiere leben, die man sonst nur selten sieht. Wenn man sie denn sieht! Denn natürlich befinden sich viele Tiere auch tagsüber, sprich in der simulierten Nacht, in ihren Behausungen, z. B. bei meinem Besuch die Mausmakis. Wären nicht viele Tierpfleger vor Ort, die den Besuchern die Tiere zeigen, so würde man wahrscheinlich kaum eines sehen. Denn im Haus “De Nacht” leben einige Tiere relativ frei in größeren Räumen und in der Dunkelheit kann man sie wirklich schlecht entdecken, z. B. die Nachtaffen, aber auch die meistens regungslos dahängenden Faultiere. Fuchskusus habe ich nicht gesehen, ebenso wenig wie die Loris und einige andere Tierchen. Deswegen steht für mich fest: Ich muss einmal wochentags wiederkommen, den ziemlich gesalzenen Eintrittspreis von 18 EUR zahlen und am besten gleich mehrere Stunden in dem Haus verbringen.

Im Dinopark brüllen und bewegen sich lebensgroße Nachbildungen

Im Dinopark brüllen und bewegen sich lebensgroße Nachbildungen

Wenn nun schon nicht die Tiere im Zentrum des Interesses stehen, wer dann? Nun, die Kinder! Der Dierenpark Amersfoort ist eher ein Erlebnispark mit vielen Tieren plus Spielplätzen, einem Kindertheater, Karussells, einer Mini-Eisenbahn, Pferdewagen, kleinen Labyrinth-Anlagen und an den Gehegen immer wieder Möglichkeiten, durch eine Röhre zu robben und dann einen anderen Blickpunkt zum Tier zu haben, oder auf etwas draufzuklettern usw. Übrigens dürfen auch Hunde mit in den Zoo. Außerdem gehört zum Gelände der Dinopark, in dem lebensgroße Dino-Nachbildungen brüllen und sich bewegen.

Ich persönlich schätze dieses Konzept gar nicht. Zootiere müssen schon auf ihre Freiheit verzichten, um sozusagen als Botschafter für ihre Art dafür zu werben, dass man sie schätzt und respektiert – und ihnen hilft, zu überleben. Dieser Aspekt kommt mir in einem Vergnügungspark, der nebenher Tiere vorstellt, viel zu kurz. So lernen Kinder eher, dass diese Geschöpfe zu ihrer Unterhaltung da sind und dass man sie ebenso gut links liegen lassen kann, um sich der vielen anderen Attraktionen zu widmen.

Mehrere schöne Spielplätze

Mehrere schöne Spielplätze

Damit will ich nicht sagen, dass Zoos auf Spielplätze und dergleichen verzichten sollen. Kinder können sich nicht endlos auf eine Sache konzentrieren und müssen sich austoben können. Aber der Zoo sollte doch hauptsächlich Zoo sein und keine Kirmes mit Tierkäfigen.

Nun noch ein paar Impressionen aus dem Zoo (mehr Fotos und einen kleinen Bericht findet ihr auch auf
http://www.nl-blog.de/2010/niederlande/ausflugsziel-fur-eltern-und-kinder-zoo-in-amersfoort/:


Artikel empfehlen:

  • Digg
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google
  • MisterWong.DE
  • Technorati
  • TwitThis
  • Webnews.de
  • Wikio
  • Yigg
  • MySpace
  • StumbleUpon
6 Antworten zu “Der Zoo in Amersfoort (NL)”
  1. maloney8032 sagt:

    Laufen die Makaken hier frei herum? auf dem Foto sieht es so aus als würde auf iregendeinem Gebäudedach sitzen.

  2. Petra Schulten sagt:

    Nein, die Makaken leben auf der Insel in dem See mit dem Springbrunnen – passend zum japanischen Thema ist dort ein entsprechendes Häuschen gebaut und dort sitzen sie auf dem Dach.

  3. Peter Trantz sagt:

    Die Entwicklung mit einen Spaßzoos(Freizeitparkzoos) und Erlebniszoos finde ich auch sehr bedauerlich. Deshalb werden Zoos wie Hannover oder Gelsenkirchen, meiner Meinung nach nie welche der besten Deutschlands sein. Den Zoo in Amersfoort kann ich persönlich jetzt nicht einschätzen! Mit Sicherheit könnte z.B. der Kölner Zoo noch einen schöneren Spielplatz haben, aber in einem Zoo braucht man keinen kitschigen Dschungelpalast(in dem die Tiere auch noch genötigt werden Kunststücke zu machen) oder Karussels!

  4. peter sagt:

    sorry für die vielleicht etwas ruppige aber definitiv berechtigte kritik. “ihr” solltet euch was schämen aus welchen eigennützigen gründen auch immer, tiere für geld zur schau zu stellen. es kann einem das herz brechen wie in all den tiersendungen mit verharmlosender moderation tiere zu irgendwelchen dingen die der anstalltsleitung gerade einfallen genötigt werden. unglaublich das sich so ein format überhaupt behaupten kann.aber die menschen die sich das gern ansehen sind anscheinend schon totale gefühlskrüppel und davon muss es ja inzwischen genug in unserer gesellschaft geben. kein wunder bei dem verdummungspotenzial in unserer medienwelt. bitter

  5. Petra Schulten sagt:

    Hallo Peter,

    erstmal entschuldige, dass ich Deine bisherigen Kommentare nicht freigeschaltet habe. Normalerweise zensiere ich hier nicht, aber einen Kommentar wie Deinen lasse ich auch nicht unbeantwortet. Und zu antworten hatte ich bei deinen früheren Kommentaren schlichtweg vergessen.

    Ich kopiere hier noch einmal die Antwort hinein, die ich mal auf einen ähnlichen Kommentar geschrieben habe:

    grundsätzlich stimme ich Dir zu. Ich finde auch, dass Tiere in Käfigen nichts verloren haben und nur wenige (vielleicht keine) können wir in den Zoos so halten, dass es ihnen ebenso gut geht, wie in freier Natur – auch wenn sie im Zoo meistens deutlich älter werden, sich nicht vor Raubtieren fürchten müssen, bei Krankheiten versorgt werden, keinen Hunger und Durst leiden usw. Doch diese Annehmlichkeiten sind höchstwahrscheinlich kein Ersatz für ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit.

    Allerdings leben wir leider in einer Welt, in der die Menschen viele Tiere ausrotten und wenig Respekt vor der Natur haben. Deswegen sehe ich Zoos heute als notwendig an, um a) einige Tiere ein wenig länger zu erhalten, die in freier Wildbahn schon fast ausgestorben sind und b) sie den Menschen direkt zu präsentieren, vor allem den Kindern, um ihnen ein Gefühl für diese Lebewesen zu geben. Ja, man kann auch Dokus im Fernsehen schauen, aber erst, wenn man das Tier direkt vor sich hat, können viele Menschen erst richtig erfassen, dass da ein anderes Geschöpf ist, so wie man selbst – und etliche Menschen begreifen es nicht einmal dann. So habe ich die Hoffnung, dass diese eingesperrten Tiere in den Zoos der Welt vielleicht die Botschafter sind, die den freien Kollegen in der Welt ermöglichen weiterzuleben.

    Und ich bin sehr dankbar dafür, dass die Verhältnisse in den Zoos heute meistens so sind, dass man nicht mehr direkt von Tierquälerei sprechen kann. Das war in den 1980er Jahren noch anders, damals habe ich mir geschworen, nicht mehr in den Zoo zu gehen und habe das auch etwa 15 Jahre durchgehalten. Seither tun mir zwar viele Tiere immer noch sehr leid, die im Zoo vor sich hin vegetieren müssen, aber sehr viele leben doch auch ganz gut – ein Zeichen dafür ist, dass sie deutlich länger leben als in freier Wildbahn. Und da ich nunmal aus oben genannten Gründen Zoos für notwendig halte, kann ich sie auch besuchen.

    Es gibt sogar Tiere, die im Zoo völlig frei leben, z. B. die Totenkopfäffchen im niederländischen Apenheul. Die könnten vermutlich leicht entkommen, versuchen es aber gar nicht, da sie von Natur aus relativ kleine Reviere bewohnen.

    Zu dem speziellen Punkt, dass Tiere von der Anstaltsleitung zu etwas genötigt werden, nehme ich an, dass damit Enrichment-Programme gemeint sind, also z. B. das Futter für Otter in durchlöcherten Bällen anzubieten oder auch die Dressur bei den Seelöwen? Das sind Maßnahmen, damit die Tiere, die im Zoo ja nicht jagen müssen/können oder so wie Gorillas mehr oder weniger den ganzen Tag nach Futter suchen, sich beschäftigen können. Das sind ganz wichtige Maßnahmen und viele Tiere nehmen daran freiwillig teil, z. B. gibt es Menschenaffen, die an wissenschaftlichen Tests mitarbeiten – weil Affen, zu denen wir Menschen ja auch gehören, von Natur aus neugierig und sozial sind und gern mit anderen etwas unternehmen. Dass man es im Zoo schwer macht, an Futter zu kommen, simuliert die freie Natur, wo dem Tier ja auch nicht jeden Tag eine Schüssel Futter vor die Nase gestellt wird.

    Um sich ein Bild davon zu machen, ob diese Maßnahmen sinnvoll sind oder nicht, sollte man sich allerdings mal mit der entsprechenden Literatur versorgen oder sich sonstwie weiterbilden, statt einfach mal blindlings drauflos zu schimpfen. Vielleicht war aber auch etwas anderes gemeint oder einer der Zoos, die tatsächlich ihre Tiere noch nach Erkenntnissen der 1960er Jahre halten, da schimpfe ich dann gern mit und würde mir wünschen, dass Tierschutz deutlich intensiver betrieben wird.

  6. peter sagt:

    wielange gibt es schon zoo’s? und,hat das irgendetwas für die tiere gebracht deren lebensraum wir immr mehr einengen.sehe ich nicht. lieber tod als für fragwürdige zwecke missbraucht zu werden.artensterben hat es schliesslich schon immer gegeben,auch ohne zutun des menschen.es geht hier nicht um die erhaltung irgendeiner art sondern ausschliesslich um ein geschäft. und je seltener eine art,auch durch unser direktes oder indirektes dazutun,um so mehr lässt sich wahrscheinlich auch noch verdienen.

  7.  
Hinterlasse einen Kommentar


Blog Top Liste - by TopBlogs.de blogoscoop